Covid-19: Europäische Automobilindustrie bereitet sich auf die Wiederaufnahme der Produktion vor

Out-Law News | 22 Apr 2020 | 9:54 am | Lesedauer: 2 Min.

Die Interessenverbände der europäischen Automobilbranche haben gemeinsam einen Geschäftskodex unterzeichnet, der allen Teilnehmern der Lieferkette helfen soll, sich auf die Wiederaufnahme der Produktion vorzubereiten.

Die European Automotive Suppliers’ Association (CLEPA) und die European Automobile Manufacturers’ Association (ACEA) haben vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie gemeinsam einen Verhaltenskodex unterzeichnet, der den schnellen und reibungslosen Neustart der Automobilindustrie unterstützen soll.

Die europäische Automobilindustrie ist durch die Corona-Krise schwer getroffen, durch schwindende Nachfrage und Problemen in der Lieferkette kam die Produktion einiger Automobilhersteller teilweise sogar gänzlich zum Erliegen.

„Aufgrund von Zulieferungsproblemen aus China und einbrechenden Aufträgen mussten zahlreiche Automobilhersteller ihre Produktion einstellen oder ihre Produktionskapazität drastisch reduzieren“, so Sibylle Schumacher, Expertin für Streitbeilegungsverfahren bei Pinsent Masons, der Kanzlei hinter Out-Law. „Dies führte dazu, dass auch eine Reihe von europäischen Zulieferern ihre Werke aufgrund des Mangels an neuen Bestellungen schließen mussten. Die Staaten beginnen nun, die Covid-19-bedingten Beschränkungen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten wieder aufzuheben, was ohne gesonderte Regelungen voraussichtlich zu Schwierigkeiten im Wiederaufleben der Vertragsbeziehungen führen wird.“

Das automobile Öko-System gleiche einem komplexen Uhrwerk und der aktuelle und in dieser Form nie dagewesene Stillstand könnte großen Schaden für eine ansonsten prosperierende, innovative und wettbewerbsfähige Industrie bringen, so CLEPA und ACEA in einer gemeinsamen Mitteilung.

Ihnen zufolge wird der erfolgreiche Ausstieg aus der Corona-Krise nur dann gelingen, wenn wichtige Informationen innerhalb der Branche zeitnah geteilt werden, so dass alle Unternehmen in der Wertschöpfungskette so effektiv wie möglich handeln können.

„Der Verhaltenskodex zeigt eine generelle Bereitschaft der Automobilhersteller und der Zulieferer, eine vernünftige Lösung für die Anlaufphase nach der Stilllegung zu finden. Das ist ein Zeichen dafür, dass sie grundsätzlich gewillt sind, zusammen zu arbeiten, um sich gemeinsam von der Krise zu erholen. Dennoch wird man abwarten müssen, ob diesen Worten auch Taten folgen“, so Benita von Fritsch, Expertin für Streitbeilegungsverfahren bei Pinsent Masons. „Der Kodex lässt einiges an Interpretationsspielraum offen und drückt ein gemeinsames Verständnis aus, ist aber für die Beteiligten rechtlich nicht bindend.“

In der Automobilindustrie arbeiten – direkt oder indirekt – 13,8 Millionen Europäer. In Folge der Krise sind mehr als 1,1 Millionen Angestellte von Automobilherstellern in Kurzarbeit, zudem ist eine Vielzahl von Kollegen entlang der Lieferkette ebenfalls betroffen. Laut CLEPA und ACEA liegen die Umsatzverluste im zweistelleigen Prozentbereich und die Verunsicherung darüber, ob sich der Sektor erholen kann, ist groß. In enger Absprache mit den Behörden vor Ort wolle die Industrie in den nächsten Wochen die Fertigung wiederaufnehmen.

In fünf Abschnitten gibt der Geschäftskodex Herstellern und Zulieferern Auskunft darüber, wie die Automobilindustrie die Corona-Krise überwinden kann:

Sicherheit am Arbeitsplatz

Der Kodex betont, dass Sicherheit und Gesundheit der Bevölkerung und der Mitarbeiter Priorität haben und unterstreicht die Verpflichtung dazu, ein sicheres Arbeitsumfeld ebenso wie einen sicheren Arbeitsweg in Hinblick auf die anwendbaren Sicherheitsstandards zu ermöglichen. CLEPA und ACEA kündigten außerdem an, die staatlichen Behörden dazu aufzufordern, einheitliche Maßnahmen innerhalb der EU umzusetzen. Außerdem wollen sie sich mit Partnern entlang der Wertschöpfungskette über optimale Verfahren austauschen.

Transparenz

Laut dem Verhaltenskodex wird es nötig sein, kritische Informationen zeitnah und in angemessener Weise zu teilen, um den Ausstieg aus der Krise bestmöglich zu meistern. Partner entlang der Wertschöpfungskette sollten sich daher dazu verpflichten, einander mit transparenten und glaubwürdigen Informationen in Hinblick auf die zu erwartende Nachfrage zu versorgen und einander zeitnah über Verzögerungen und Schwankungen zu informieren. Auch ist beabsichtigt, sich über Unterbrechungen und Wiederaufnahmen der Geschäftsaktivität auf dem Laufenden zu halten.

Vertragliche Anforderungen

Der Verhaltenskodex betont, dass die Automobilindustrie nur dann aus der Krise hervorgehen kann, wenn alle Beteiligten die vereinbarten Vertragsbedingungen einhalten, vor allem in Hinblick auf Zahlungen, Annahme und Auslieferung von Bestellungen, Investitionen, Entwicklung und Fertigung. Alle Vertragsvereinbarungen, darunter auch Klauseln zu höherer Gewalt, sollten in pragmatischer Weise angewendet werden, um unnötige Kosten für Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette zu vermeiden.

Vorbereitung auf den Neustart

Der Kodex ermutigt alle Unternehmen in der Automobilindustrie, sich zu koordinieren und auf einen Neustart der Produktion vorzubereiten. Dabei sollten sie vor allem die Auswirkungen der Krise auf die Lieferketten und die Verfügbarkeit von Bauteilen im Blick haben.

Fairer Wettbewerb

Obgleich es notwendig sein wird, dass alle Unternehmen innerhalb der Wertschöpfungskette vernetzt zusammenarbeiten, um das Geschäft wieder anlaufen zu lassen, betont der Kodex, dass gültige Wettbewerbsgesetze und -beschränkungen eingehalten werden sollen. Wann immer der Informationsaustausch unter Wettbewerbern notwendig wird, soll es unter Einhaltung der anwendbaren Gesetze und in Absprache mit den Wettbewerbsbehörden geschehen.