Das Thema Nachhaltigkeit kommt immer mehr auch in der Hotelbranche an. Einige Projekte zeigen bereits, dass Urlaub und Umweltschutz kein Widerspruch sein müssen. Zudem gibt es Unterstützung vom Staat.

Auch im Tourismus lässt sich die eigene Öko-Bilanz verbessern, wenn man bereit ist, neue Wege zu gehen. Eine Reihe von Hoteliers, die auf diesem Gebiet Vorreiter sind und sich den Bereich erschlossen haben, noch bevor das Thema Nachhaltigkeit in der Mitte der Gesellschaft angekommen war, machen vor, wie es geht. Einigen gelingt es dabei sogar, mit einem stringenten ganzheitlichen Konzept Klimaneutralität oder gar eine positive Klimabilanz zu erreichen, ohne dass der Gast dabei auf den gewohnten Komfort verzichten müsste. Andere Hotels unternehmen erste Schritte hin zu einem umfassenderen Umweltbewusstsein. Schließlich fragen immer häufiger auch Gäste nach dem ökologischen Fußbadruck des Hotels, in dem sie übernachten. Dementsprechend interessieren sich auch Investoren stärker dafür, wie „grün“ ein Hotel ist – denn die Ökobilanz eines Betriebs sagt zunehmend auch etwas über seine Zukunftsfähigkeit aus.

Immer mehr Hotels nutzen daher die Krise und entwerfen Konzepte für die Neuausrichtung: Weniger Verpackungsmüll, mehr Produkte aus der Region und aus biologischer Landwirtschaft, Ökostrom, Solarzellen auf dem Dach oder energetische Sanierungsmaßnahmen, damit im Winter weniger geheizt werden muss, Kompensation der CO2-Emissionen durch Aufforsten oder Humusaufbau – die Möglichkeiten sind vielfältig. 

Fingerhuth Jrn

Jörn Fingerhuth

Rechtsanwalt, Partner

Die Erwartungen von Gästen, Investoren und der Gesellschaft an Nachhaltigkeit und den Klimaschutz steigen.

So wird das, was vor wenigen Jahren noch eine Nische für eine Hand voll mutiger Hoteliers und ihre umweltbewussten Gäste war, nun immer mehr zum Marktvorteil, der sich nicht zuletzt auch darauf auswirken könnte, wie schnell sich ein Hotel aus der pandemiebedingten Krise herausbewegen kann. Denn die Erwartungen von Gästen, Investoren und der Gesellschaft an Nachhaltigkeit und den Klimaschutz steigen. Das zeigen sowohl Initiativen in der Branche als auch Fördermaßnahmen der Politik.

In seiner gerade veröffentlichten Nationalen Tourismusstrategie widmet das Bundeswirtschaftsministerium dem Thema Nachhaltigkeit ein eigenes Kapitel und schreibt: „Der Tourismus ist wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig auf den Erhalt einer intakten Umwelt und authentischen Kultur angewiesen.“

Zertifizierte Nachhaltigkeit

Immer mehr Gütesiegel, darunter beispielsweise das Siegel GreenSign der InfraCert GmbH, Viabono oder Green Globe, kennzeichnen nachhaltig agierende Hotelbetriebe und helfen so sowohl Gästen bei der Wahl eines ihren Umwelt-Ansprüchen genügenden Hotels als auch den Hotels selbst bei der Vermarktung ihres Einsatzes für mehr Nachhaltigkeit.

Janett Bachmann

Dr. Janett Bachmann

Rechtsanwältin

Auch Investoren fragen immer häufiger nach entsprechenden Nachhaltigkeits-Zertifikaten.

Die Kriterien, nach denen die Siegel vergeben werden, basieren häufig auf Rahmenwerken für Nachhaltigkeit wie der Norm für Umweltmanagement ISO 14001, dem Leitfaden für unternehmerische Gesellschaftsverantwortung ISO 26000  oder den Kriterien des Globalen Rates für nachhaltigen Tourismus – der selbst auch Zertifikate vergibt. Häufig geht mit der Vergabe der Zertifikate auch eine Beratung einher, in der die zertifizierten Hotels erfahren, wie sie noch mehr für den Umweltschutz tun und ein höheres Zertifizierungslevel erreichen können. Hinzu kommt, dass auch Investoren immer häufiger entsprechende Zertifikate fordern.

Klima-Ausgleich für Hotels

Für einen Hotelbetrieb ist es nahezu unmöglich, den CO2-Ausstoß auf null zu reduzieren. Immer mehr Hotels, die ihren Ausstoß dem Klima zuliebe gesenkt haben, gleichen ihren verbleibenden CO2-Fußbadruck jedoch aus. So auch die Hotels der Kooperation Klimahotels: Sie optimieren ihren CO2-Abdruck ökologisch und ökonomisch, der restliche CO2-Ausstoß wird durch eine Aufforstung in Panama kompensiert. Somit können Klimahotels ihren Gästen einen komplett klimaneutralen Aufenthalt ermöglichen. In Japan eröffnete jüngst ein Hotel, welches zu 100 Prozent seinen Energiebedarf mit Wasserstoff, gewonnen aus Plastikmüll und Essensabfällen, bestreitet.

Mit vereinter Kraft

Veränderung im Alleingang zu bewirken, ist selten leicht. Daher schließen sich Hotels, für die das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle spielt, zusammen. So beispielsweise im Verein Bio-Hotels, dem rund 80 Häuser in sechs Ländern angeschlossen sind. Der Verein fordert von seinen Mitgliedern unter anderem hundertprozentig biologisch erzeugte Kost, Hundertprozent Ökostrom sowie einen niedrigen CO2-Ausstoß. Alle teilnehmenden Hotels und auch der Verein selbst werden nach eigener Aussage mindestens zweimal im Jahr durch unabhängige Kontrollstellen auf ihre Nachhaltigkeit geprüft. Zudem betreibt der Verein gezieltes Marketing und schafft es so, sowohl sich als auch seine Mitglieder gekonnt am Markt zu positionieren.

Regierung fördert Energieeffizienz

Ein geringerer Energieverbrauch schont nicht nur die Umwelt, sondern ist auch finanziell vorteilhaft. Hotels können von Fördermitteln der Bundesregierung profitieren, wenn sie ihre Energiebilanz verbessern und ihre Gebäude energetisch sanieren. Mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) wurde die energetische Gebäudeförderung neu aufgesetzt. Wesentlicher Bestandteil der Förderung ist ein Förderkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für Neubau- und Sanierungsmaßnahmen an Nichtwohngebäuden über bis zu 30 Millionen Euro für Effizienzgebäude und bis zu 15 Millionen Euro für Einzelmaßnahmen. Dabei kann ein Tilgungszuschuss über 15 bis 50 Prozent beantragt werden. Auch Zuschüsse stehen zur Verfügung: Ein Sanierungszuschuss über bis zu 15 Millionen Euro und ein Bauzuschuss bis zu 6,75 Millionen Euro sind möglich. Zudem kann seit Jahresbeginn für einzelne energetische Sanierungsmaßnahmen ein Zuschuss beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragt werden.