Deutsches Projektkonsortium entwickelt digitalen Produktpass für Batterien

Out-Law News | 02 May 2022 | 1:28 pm | Lesedauer: 3 Min.

Ein digitaler Pass für Batterien soll künftig Auskunft darüber geben, unter welchen Bedingungen Batterien hergestellt wurden und wie sie sich recyceln lassen.

In einem deutschen Pilotprojekt soll ein digitaler Produktpass für Batterien entwickelt werden, in welchem unter anderem Informationen zur Einhaltung von Umwelt- und Menschenrechtsstandards in der Wertschöpfungskette von Batterien und Akkus vermerkt werden können. Das Projekt trägt den Namen „Battery Pass“. Mehrere Organisationen und Unternehmen sind daran beteiligt, die die gesamte Wertschöpfungskette von Batterien abdecken, darunter BMW und VW, das Fraunhofer IPK und die VDE Renewables GmbH.

Der Produktpass wäre der erste seiner Art in der EU und soll auch die Anforderungen der geplanten EU-Batterie-Verordnung erfüllen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) teilte nun mit, es werde das Projekt mit 8,2 Millionen Euro fördern.

Der Produktpass soll „alle relevanten Informationen entlang des gesamten Lebenszyklus“ einer Batterie bündeln, von der Rohstoffgewinnung bis zum Recycling. Das BMWK rechnet damit, dass in Zukunft weitere Produkte damit versehen werden könnten, „um den Datenaustausch in der Liefer- und Wertschöpfungskette und die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards zu garantieren.“

„Batterien leisten einen wichtigen Beitrag zur Energiewende und sind aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken“, so Dr. Sönke Gödeke, Experte für Energierecht bei Pinsent Masons. „Mit dem geplanten digitalen Batteriepass wird der Grundstein für eine nachhaltige Batteriewirtschaft gelegt. Im Sinne der sogenannten ‚Smart Circular Economy‘ können beispielsweise Leistungs- oder Materialinformationen aber auch Umwelt- und Sozialindikatoren für zirkuläre Geschäftsmodelle genutzt und die Lebensdauer von leistungsstarken Batterien – etwa durch ‚Second Life‘-Anwendungen – verlängert werden.“

Batterien, die in Elektroautos oder Industrieanlagen verbaut werden, nutzen häufig Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel, deren Abbau zu Umweltschäden führen kann. In den letzten Jahren waren häufig auch die Arbeitsbedingungen beim Abbau dieser Rohstoffe in Kritik geraten. Ein Produktpass für Batterien erscheint vielen Experten daher als sinnvoll, da dort festgehalten werden kann, woher die verwendeten Rohstoffe stammen und wie sie gewonnen wurden. Zudem wird bei der Produktion von Batterien viel Energie verbraucht. Ihre Herstellung kann CO2-intensiv sein, wenn der verwendete Strom aus fossilen Energiequellen gewonnen wird – all das sind Informationen, die in einem Produktpass festgehalten werden könnten.

„Die europäische Batterie-Produktion kann nur erfolgreich sein, wenn sie in möglichst allen Bereichen auf Nachhaltigkeit setzt“, so Michael Kellner, parlamentarische Staatssekretär im BMWK. „Nachhaltige Batterien sind wiederum entscheidend für eine erfolgreiche Energie- und Verkehrswende, die sich an hohen Umwelt- und Sozialstandards orientiert.“ Mit dem digitalen Batteriepass komme man diesen Zielen ein großes Stück näher: Er bündele laut Kellner unter anderem Daten wie den „Klima-Fußabdruck“ oder Informationen zur Rohstoffgewinnung, die unter den Wirtschaftsakteuren einfach ausgetauscht werden können. Ebenfalls lasse sich so gut erkennen, wie sich Batterien reparieren und recyceln lassen.

In dem Pilotprojekt werden inhaltliche und technische Standards für einen Batteriepass entworfen und umgesetzt, die die ganze Wertschöpfungskette umfassen. Er soll somit auch eine Kreislaufwirtschaft für Batterien von Elektrofahrzeugen fördern. „Insbesondere Daten, die die Nachhaltigkeit und Verantwortlichkeit der Lieferkette umfassend beschreiben, sollen im Batteriepass dokumentiert werden“, so das BMWK. Um zu gewährleisten, dass der neue Produktpass weltweit genutzt werden kann, arbeitet das Projektkonsortium außerdem mit der Global Battery Alliance (GBA) zusammen.

„Deutschland ist maßgeblich an der neuen Batteriewertschöpfung in Europa beteiligt“, erläutert Florian Huber, Experte für Energierecht bei Pinsent Masons. „Zuletzt hat die Europäische Kommission zwei IPCEI-Projekte zur Batteriezellfertigung beihilferechtlich genehmigt: ‚Summer IPCEI on Batteries‘ und ‚European Battery Innovation‘. Europäische Batteriezellen sollen laut Wirtschaftsministerium im internationalen Vergleich umweltverträglicher sein und eine bessere Klimabilanz aufweisen. Hier kommt der geplante digitale Produktpass ins Spiel. Danach sollen beispielsweise Entsorgung und Recycling bereits bei der Batterieentwicklung von vornherein mitgedacht werden.“

Die EU-Batterie-Verordnung wird derzeit noch zwischen dem Europäischen Parlament, dem Rat der Europäischen Union und der Europäischen Kommission abgestimmt. Ab 2026 soll sie für alle neu angeschafften Batterien in Fahrzeugen, stationären Speichern und größeren Industriebatterien in der EU gelten. Nach derzeitigem Stand sieht sie vor, dass der CO2-Abdruck von Batterien für Elektrofahrzeuge und von Industriebatterien ausgewiesen und stufenweise verkleinert wird. Ab 2031 sollen zudem sogenannte „Rezyklat-Quoten“ für Industriebatterien und große Traktionsbatterien, wie sie für E-Autos verwendet werden, gelten. Das würde bedeuten, dass bei der Produktion von neuen Batterien ein bestimmter Anteil an Kobalt, Lithium und Nickel aus alten Batterien verwendet werden muss. So soll gewährleistet werden, dass Batterie-Rohstoffe recycelt werden.

Darüber hinaus plant die EU, auch für andere Produktarten Pässe einzuführen. So hat die Kommission beispielsweise erst kürzlich die überarbeitete Bauprodukteverordnung vorgestellt, die einen Produktpass für Baumaterialien vorsieht. Auch für Textilien soll ein Produktpass eingeführt werden, das geht aus der EU-Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien hervor.