Die von der Europäischen Kommission entwickelte Strategie ist patientenorientiert und soll auf den gemeinsamen Anstrengungen der Industrie während der Corona-Krise aufbauen, so die Experten für Life Sciences bei Pinsent Masons, der Kanzlei hinter Out-Law. Die Kommission hofft, sie binnen einiger Jahre umsetzen zu können.
„Die Strategie stellt die Patienten in den Mittelpunkt und betont die Notwendigkeit, den sofortigen Zugang zu qualitativ hochwertigen, sicheren und wirksamen Medikamenten zu gewährleisten. Dabei erkennt die Strategie an, dass sowohl innovative Produkte als auch Biosimilars und Generika einen Beitrag dazu leisten, dieses Ziel zu erreichen“, so Catherine Drew von Pinsent Masons.
„Die Strategie nimmt die Macht und die künftige Rolle von Gesundheitsdaten und Dateninfrastrukturen in den Blick, ebenso die Notwendigkeit verschiedener Finanzierungsquellen, um Neuerungen zu fördern. Sie betont auch, wie wichtig neue Geschäftsmodelle sind, da Arzneimittel das Potenzial von Einmalbehandlungen bei neuartigen Therapien sowie Zell- und Gentherapien bieten, und hebt zudem die Notwendigkeit von Neuerungen für ökologisch nachhaltige Arzneimittel und deren Herstellung hervor“, so Nicole Jadeja, ebenfalls von Pinsent Masons.
Die Strategie verfolgt eine Reihe von Zielen: So sollen etwa die Qualität und Sicherheit von Arzneimitteln gewährleistet, der Zugang zu innovativen und erschwinglichen Arzneimitteln für Patienten gefördert sowie die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsfähigkeit der pharmazeutischen Industrie der EU unterstützt werden. Zudem soll die EU in Bezug auf Arzneimittel autonom werden und robuste Lieferketten aufbauen, die auch in Krisenzeiten belastbar sind. Auch die Haltung der EU soll global an Bedeutung gewinnen.
Laut Helen Cline von Pinsent Masons wird der Erfolg der Strategie abhängen „vom Engagement, der Zusammenarbeit, dem Beitrag aller Interessengruppen und davon, dass man sich darauf konzentriert, Differenzen beiseitezulegen, um eine gemeinsame Vision eines Europas zu verwirklichen, in dem die Patienten die Gewissheit haben, dass sie rechtzeitig sichere, wirksame und erschwingliche Arzneimittel erhalten.“ Die COVID-19-Pandemie habe gezeigt, was erreicht werden kann, wenn alle an einem Strang ziehen.
In ihrem Papier sichert die Kommission zu, die Arzneimittelgesetzgebung zu überarbeiten, um die digitale Transformation der Gesundheitsversorgung zu fördern. Dazu gehöre es, neue Methoden der Datenerhebung und Analyse zur Unterstützung der Entwicklung, Zulassung und Verwendung von Arzneimitteln zu ermöglichen. Zudem umreißt die Strategie Pläne, durch die die Genomdatenforschung ausgeweitet, die Leistungsfähigkeit von Hochleistungscomputern und künstlicher Intelligenz (KI) genutzt und der Übergang zu einer Welt der personalisierten Medizin unterstützt werden könnten.
Die Kommission betont zudem die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Regulierungsbehörden und anderen Einrichtungen über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg.
„Kooperation ist ein Kernthema der Strategie, die sich dabei auf die Erfolge während der COVID-19-Pandemie bezieht. Für die F&E-Phase wird eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Regulierungsbehörden, Fachleuten im Gesundheitswesen und Patientenorganisationen, die sich auf unerfüllte Patientenbedürfnisse konzentrieren, vorgeschlagen. Für die Beschaffungsphase werden Kooperationen zwischen denen angeregt, die Beschaffungsprozesse durchführen, und denjenigen, die sich auf die Bewertung von Gesundheitstechnologien konzentrieren, um sicherzustellen, dass evidenzbasierte Entscheidungen den rechtzeitigen Zugang für Patienten gewährleisten“, so Drew.
Es sei klar, dass an jeder vorgeschlagenen Zusammenarbeit zahlreiche Parteien beteiligt sind, und es werde interessant sein zu sehen, ob die Strategie all die verschiedenen Organisationen dazu ermutigen kann, rechtzeitig auf das gleiche Endziel hinzuarbeiten.