Europäische Unternehmen in China rechnen mit hohen Umsatzeinbußen

Out-Law News | 28 Feb 2020 | 1:45 pm | Lesedauer: 1 Min.

Nahezu alle europäischen Unternehmen, die in China tätig sind, sind gravierend betroffen vom Ausbruch des Coronavirus, offiziell COVID-19, so eine Befragung der Europäischen und der Deutschen Handelskammer.

Die Europäischen Handelskammer und die deutsche Außenhandelskammer haben 577 europäische Unternehmen in China befragt und die Ergebnisse veröffentlicht: Sie liefern ein erstes Stimmungsbild darüber, welche weitreichenden wirtschaftlichen Folgen die Ausbreitung von COVID-19 bereits für europäische Unternehmen hat.

Laut Der Zeit wächst die Furcht vor einer weltweiten Rezession ausgelöst durch COVID-19. Das wirkt sich auch auf die Börse aus: Heute fiel der Dax zum Start um bis zu 3,9 Prozent auf ein Viermonatstief von 11.883,04 Punkten. Der MSCI-Weltindex verzeichnet von Montag bis Donnerstag ein Minus von 8,9 Prozent. Er spiegelt die Entwicklung von über 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern wider. Die Bewertungsagentur Moody’s hat ihre globale Wachstumsvorhersage für 2020 wegen des COVID-19-Ausbruchs nach unten korrigiert.

Laut Stimmen aus dem Bericht der beiden Handelskammern sei schon der Handelskrieg zwischen Peking und Washington ein Weckruf in Hinblick auf die übermäßige Abhängigkeit von China gewesen. Der Covid-19-Ausbruch habe nun die Notwendigkeit einer Diversifizierung der Lieferketten verdeutlicht.

Fast 90 Prozent der befragten Unternehmen berichten von mittleren bis starken Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeit und planen, ihr jährliches Geschäftsziel entsprechend anzupassen. Fast die Hälfte der Teilnehmer rechnet mit einem Rückgang ihrer Umsätze von mindestens zehn Prozent im ersten Halbjahr, ein Viertel der Teilnehmer erwartet sogar einen Rückgang von mehr als 20 Prozent.

Laut Umfrage liegt die größte Herausforderung darin, den strikten Quarantäne-Anforderungen und den häufig wechselnden, oft inkonsistenten Regularien gerecht zu werden.

„Der Flickenteppich widersprüchlicher Regeln, der sich aus dem Kampf gegen COVID-19 ergibt, hat hunderte Machtbereiche erzeugt und macht es derzeit nahezu unmöglich, Waren oder Menschen in China zu bewegen“, so Jörg Wuttke, Präsident der EU-Handelskammer. Das Virus einzudämmen sei die wichtigste Aufgabe, doch es brauche einheitliche Maßnahmen entlang aller Zuständigkeitsbereiche, um der Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen. 

Ausnahmslos alle Befragten gaben an, dass sie von den Auswirkungen des COVID-19-Ausbruchs betroffen waren, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, und sahen sich mit Restriktionen und widersprüchlichen Regularien konfrontiert. Vielen Unternehmen, denen von staatlicher Stelle gestattet wurde, ihren Betrieb wiederaufzunehmen, fehle es noch an nötigem Material und Personal, außerdem mangele es oft an Kunden und Transportmöglichkeiten, so der Bericht.

„China vollführt einen prekären Balanceaktmit zwischen zwei wichtigen, aber entgegengesetzten Aufgaben“, so Stephan Wöllenstein, Vorsitzender der Deutschen Handelskammer. Einerseits versuche es, die strengen Virus-Präventionsmaßnahmen aufrecht zu erhalten, während es zugleich darum kämpfe, zur wirtschaftlichen Normalität zurückzufinden. Bis sich die Geschäftstätigkeit normalisiert, müsse die Regierung vor allem kleinen und mittelgroßen Unternehmen unter die Arme greifen, so Wöllenstein.

Die Umfrage hat außerdem ergeben, dass über 300 europäische Unternehmen aktiv daran mitwirken, den COVID-19-Ausbruch einzudämmen. Rund 70 Prozent von ihnen haben medizinisches Material oder Geld für die Krisenregionen gespendet oder sie logistisch unterstützt.