Out-Law Analysis Lesedauer: 2 Min.

Quantencomputer ‚werden die Datensicherheit fundamental verändern‛


Quantencomputer werden unseren Umgang mit Informationssicherheit und Verschlüsselung grundlegend verändern und somit gravierend in alle Bereiche der Geschäftswelt eingreifen, so ein Experte.

Voraussichtlich werde keine heute gängige Verschlüsselungstechnik in der Lage sein, der Entschlüsselung durch Quantentechnologie standzuhalten, sagt Technologie-Experte Dr. Nils Rauer von Pinsent Masons, der Kanzlei hinter Out-Law.

Österreich, Bulgarien, Dänemark und Rumänien sind letzte Woche dem Forschungsprogramm der EU-Kommission zur Quantenkommunikation (QCI) beigetreten. Es soll eine europaweite Infrastruktur für QCI entwickeln. Laut EU-Kommission sei das für die Cybersicherheit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit von essenzieller Bedeutung.

„Dabei nimmt das Thema Cyber Security eine wichtige Rolle ein. Adäquater Schutz von digitalen Inhalten, Know-how und Intellectual Property muss daher unter Berücksichtigung des technologischen Fortschritts gedacht und konzipiert werden. Dies gilt letztlich für sämtliche Industriezweige, besonders aber für den e-Commerce und den elektronischen Zahlungsverkehr“, so Dr. Rauer.

Der Internethandel und elektronische Zahlungsanbieter verfügen über große Mengen von sensiblen Daten von Privatpersonen und Unternehmen. Quantentechnologie stellt ein neues Sicherheitsrisiko dar, bietet aber zugleich auch Lösungen zum Schutz sensibler Daten, denn Quanteninformatik und Quantenkryptografie bringen auch neue Verfahren, um Nachrichten abhörsicher zu übertragen. Daher ist Quantenkommunikation ein Thema, mit dem sich alle digital tätigen Unternehmen konfrontiert sehen werden.

„Quantentechnologie kann ein Vielfaches mehr an Information binnen kürzester Zeit verarbeiten. Dieser Vorteil bringt auch Herausforderungen mit sich“, so Dr. Rauer. „Beispielsweise können Quantencomputer Verschlüsselungen in Windeseile knacken, wo herkömmliche Computer Tage, Wochen oder Monate brauchen würden. Die Sicherheit muss also mit der Technik Schritt halten   – rechtlich wie auch rein praktisch."

Laut Kommission investieren andere Hauptregionen bereits in quantentechnologische Infrastruktur. Thierry Breton, EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen, sagte, das Projekt sei entscheidend für die technologische Souveränität der Europäischen Union. Es werde „die nächste Generation der Kommunikationssicherheit mit quantensicherer Verschlüsselung vorbereiten, die auf den Eigenschaften der Quantenverschränkung aufbaut. Eine solche europäische Zusammenarbeit wird für die EU von entscheidender Bedeutung sein, um als globaler Konkurrent im Bereich der Quantentechnologien eine führende Rolle spielen zu können.“  

Sowohl die EU als auch die deutsche Bundesregierung erhoffen sich durch die neue Technologie substantielle Fortschritte in der Informationsverarbeitung und Übertragung jenseits der physikalischen Grenzen existierender Systeme, insbesondere, was Verschlüsselungstechnik und Cyber-Sicherheit angeht.

Die EuroQCI-Erklärung wurde im Juni 2019 vorgestellt und mittlerweile von der Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten unterzeichnet. Die Unterzeichnerstaaten werden gemeinsam mit der Europäischen Kommission innerhalb der nächsten zehn Jahre prüfen, ob eine europäischen QCI entwickelt und eingeführt werden kann. Unterstützt werden sie dabei durch die Europäische Weltraumorganisation.

Die QCI könnte öffentliche und private Kommunikationsmittel in der gesamten EU miteinander verbinden, um einen sicheren Kommunikationsschild auf der Grundlage von Quantentechnologien aufzubauen. So könnten laut EU-Kommission vertrauliche Kommunikationen, Online-Wahlsysteme und Finanztransaktionen geschützt werden. Zugleich könnte gewährleistet werden, dass sensible Daten in Bereichen wie Gesundheit und nationale Sicherheit langfristig gespeichert werden können.

Bis Ende dieses Jahres sollen die Unterzeichnerstaaten einen Aktionsplan für den Aufbau einer QCI in Europa vorbereiten. „Die Erklärung ist ein wichtiger Schritt für die Europäische Union hin zu mehr Unabhängigkeit und technologischer Souveränität beim Datenschutz. Wir glauben, dass die Quantentechnologien eine der Schlüsselmechanismen unserer digitalen Zukunft und ein wichtiger Akteur für die Datensicherheit in ganz Europa sein werden“, so Magnus Brunner, Staatssekretär im österreichischen Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie.

Im September 2019 nahm OPENQKD seine Arbeit auf. Das von der EU-Kommission finanzierte und auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt entwickelt ein Testumfeld, das die inhärente Zufälligkeit von Quantenmessungen nutzt, um hochwertige kryptographische Schlüssel zur sicheren Übertragung und Speicherung von sensiblen Informationen und Daten zu erzeugen.

„Die Initiative ist Teil der Strategie für einen digitalen Binnenmarkt innerhalb der EU“, so Dr. Rauer. „Erst vor kurzem hat die von der Leyen-Kommission offengelegt, wie sie diese Strategie fortzuschreiben gedenkt. Die Bemühungen stehen unter dem Motto Shaping Europe's digital future.“

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