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Bergbauprojekte in Afrika: Technologielieferanten dürfen Risiken nicht außer Acht lassen


Der afrikanische Bergbaumarkt soll sicherer und umweltfreundlicher werden. Für europäische Technologielieferanten bringt dies neue Möglichkeiten, ihr Geschäft auf dem Bergbaumarkt auszuweiten.

Die Präsenz vieler prominenter Technologieanbieter aus Europa auf der Konferenz Mining Indaba 2023 in Kapstadt zu Beginn dieses Jahres hat zwar gezeigt, dass die Branche sich der neuen Chancen bewusst ist. Zugleich müssen Unternehmen jedoch auch die Risiken besser verstehen, die es mit sich bringt, wenn man Technologielösungen für Bergbauprojekte in Afrika bereitstellt.

Die Treiber der digitalen Transformation im Bergbau

Bergbauunternehmen sind bestrebt, ihren Betrieb zu dekarbonisieren, und stehen dabei unter wachsendem Druck von Investoren und Kreditgebern, die ihrerseits auf die ESG-Agenda reagieren. Technologie kann einen Beitrag dazu leisten, die Dekarbonisierung schneller zu erreichen.

Beispielsweise entsteht ein Großteil der mit dem Bergbau verbundenen Treibhausgasemissionen durch den Einsatz von Fahrzeugen vor Ort für den Transport von Menschen und Material. Die Industrie erforscht das Potenzial von elektro- oder wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen und anderen kohlenstoffarmen synthetischen Kraftstoffen, doch zugleich sucht sie auch nach Möglichkeiten, Technologien einzusetzen, um den Einsatz von Menschen bei der Ausführung bestimmter Aufgaben zu verringern.

Untersuchungen von McKinsey haben gezeigt, wie die Kombination digitaler Technologien – von Sensoren über maschinelles Lernen bis hin zu autonomen Fahrzeugen und Datenanalysesoftware –Bergbauunternehmen dabei helfen kann, Bergbauprozesse effizienter zu gestalten oder vorherzusagen, wann Ausrüstung repariert oder ersetzt werden muss, und den Bergbau generell weniger kohlenstoffintensiv und sicherer für die Arbeiter zu machen.

Darüber hinaus setzen einige Bergbauunternehmen Drohnen für Inspektionen und den Transport von Werkzeugen und Materialien auf dem Gelände ein, während Roboter auch für Aufgaben in Umgebungen eingesetzt werden können, die für Menschen zu gefährlich sind.

Verstehen der rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen

Durch die Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsaspekte sowie die finanziellen Faktoren, die den digitalen Wandel im Bergbau vorantreiben, ergeben sich für in Europa ansässige Anbieter neue Chancen. Allerdings gilt es auch, unter anderem steuerliche, datenbezogene, telekommunikative sowie arbeits- und genehmigungsrechtliche Fragen zu berücksichtigen, wenn man in Afrika tätig werden will. Entscheiden sich Anbieter dagegen, von Europa aus zu operieren, entfällt damit nicht unbedingt die Notwendigkeit, mit diesen Problemen umzugehen.

So bleibt üblicherweise der Einsatz bestimmter Technologien wie Drohnen genehmigungspflichtig und Unternehmen, die ein privates Telekommunikationsnetz für die Kommunikation vor Ort einrichten wollen, benötigen dafür eine Genehmigung bezeihungsweise eine Lizenz.

Außerdem muss berücksichtigt werden, ob die Entsendung von Arbeitnehmern, die regelmäßig Wartungsarbeiten oder Inspektionen durchführen, die Gründung einer Betriebsstätte in dem betreffenden Land und die damit verbundenen Verpflichtungen nach den örtlichen Steuergesetzen nach sich ziehen würde.

Außerdem schreibt die Gesetzgebung in afrikanischen Ländern häufig vor, dass Unterauftragnehmer lokale Unternehmen sein müssen. Zulieferer, die ausschließlich vom Ausland aus operieren, müssen damit rechnen, dass sie diese Entscheidung vor den lokalen Gesetzgebern und Aufsichtsbehörden rechtfertigen müssen, und werden möglicherweise ermutigt, lokale Niederlassungen zu gründen oder Partnerschaften mit lokalen Firmen einzugehen. In diesem Fall muss über entsprechende gesellschaftsrechtliche Vereinbarungen nachgedacht werden, aber auch über die Frage, welches Recht für solche Vereinbarungen gelten soll, und  wie Mechanismen zur Beilegung von Streitigkeiten ausgestaltet sein sollen.

Unter bestimmten Umständen kann es zu finanziellen oder behördlichen Sanktionsmaßnahmen kommen, wenn solche Vereinbarungen in den Augen lokaler Beamter nicht zu rechtfertigen sind – sei es durch Geldstrafen, die Beschlagnahme von Ausrüstungsgegenständen, die Ablehnung von Genehmigungsanträgen oder die Zurückhaltung importierter Waren beim Zoll. Ein weiteres Risiko in diesen Szenarien besteht darin, dass lokale "Gatekeeper" Bestechungsgelder verlangen, um Unternehmen bei der Lösung dieser Probleme zu helfen.

Es ist zudem ein weit verbreiteter Irrglaube, dass afrikanische Länder keine Datenschutzgesetze haben. Lieferanten müssen sich damit auseinandersetzen, welche Arten von personenbezogenen Daten ihre Technologie erfassen kann und ob es besondere Bedingungen oder Einschränkungen für Datenverarbeitung gibt, beispielsweise für die Verarbeitung von Gesundheitsdaten, die erfasst werden, wenn Arbeitnehmer digitale Gesundheitstools verwenden. Beschränkungen der grenzüberschreitenden Übermittlung personenbezogener Daten  sind ebenfalls üblich und müssen berücksichtigt werden, bevor die Daten zur Verarbeitung oder Speicherung nach Europa oder anderswo übermittelt werden.

Arbeitsrechtliche Fragen können sich auch im Zusammenhang mit der Erhebung und Nutzung von Arbeitnehmerdaten stellen. Daher ist es wichtig zu verstehen, wie der Einsatz von Sensoren und Drohnen beispielsweise Offenlegungs- oder Konsultationspflichten auslösen oder Regeln zur Überwachung von Arbeitnehmern einführen könnte.

Europäische Technologielieferanten, die prüfen, wie sie die digitale Transformation in afrikanischen Bergwerken unterstützen können, sollten daher vor der Aufnahme einer solchen Tätigkeit fachkundigen Rechtsrat einholen.

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