Monitoringbericht bilanziert Fortschritte und Probleme bei der Energiewende

Out-Law News | 06 Dec 2021 | 11:01 am | Lesedauer: 2 Min.

Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur haben den aktuellen Monitoringbericht 2021 zum Energiemarkt veröffentlicht, der zeigt: Deutschland bezieht mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen und gibt mehr Geld für den Schutz der Stromnetze vor Überlastung aus.

Das Bundeskartellamt (BKartA) und die Bundesnetzagentur (BNetzA) haben gemeinsam den Monitoringbericht 2021 über die Entwicklungen auf den deutschen Elektrizitäts- und Gasmärkten (PDF/10,5MB) veröffentlicht. Der Bericht bezieht sich vor allem auf das Jahr 2020, nimmt aber auch Entwicklungen und Trends aus 2021 in den Blick.

„Der 500 Seiten starke Monitoringbericht von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt macht es möglich, sich ein umfassendes Bild zur Energieversorgung in Deutschland mit Strom und Gas zu machen“, so Dr. Valerian von Richthofen, Experte für Energierecht bei Pinsent Masons.

Der Bericht legt unter anderem dar, dass im Zuge der Energiewende die konventionelle Stromerzeugung zurückgegangen ist: Die letzten Atomkraftwerke werden 2022 abgeschaltet und für einige Steinkohlekraftwerke trat das Verbot der Kohleverstromung bereits im Juli 2021 in Kraft. Die Stromerzeugung aus nicht erneuerbaren Energieträgern verzeichnete dementsprechend 2020 ein Minus von 11,6 Prozent. Insbesondere die Stromerzeugung in Kohlekraftwerken war 2020 das zweiten Jahr in Folge rückläufig. Der Rückgang bei Steinkohle betrug rund 25 Prozent, bei Braunkohle rund 20 Prozent.

BKartA und BNetzA verwiesen in diesem Zusammenhang darauf, dass die Abschaltung der Atom- und Kohlekraftwerke die Bedeutung der verbleibenden großen Kraftwerksbetreiber vergrößere. Daher müsse der Energiemarkt aufmerksam im Hinblick auf marktbeherrschende Stellungen beobachtet werden, damit weiterhin genug Wettbewerb in der Branche bestehe und sich keine Monopole bilden können.

Während die konventionelle Stromproduktion zurückging, ist sie im Bereich der Erneuerbaren durch einen Zubau von Photovoltaik- und Windanlagen im Jahr 2020 um 3,4 Prozent gestiegen. Beim Stromverbrauch stieg der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energiequellen am Bruttoverbrauch auf 45 Prozent. Zudem wurden die gesetzlich vorgesehenen Ausbauziele in den Bereichen Solar- und Windenergie im Jahr 2020 erreicht, so der Bericht. Ferner lasse das erste Halbjahr 2021 hoffen, „dass dies auch für das Jahr 2021 der Fall sein wird“.

Aus dem Bericht geht außerdem hervor, dass die Stromnetzentgelte in den kommenden Jahren unter anderem aufgrund von steigenden Kosten für sogenannte „Netzengpassmanagementmaßnahmen“ steigen könnten. Zum Netzengpassmanagement zählen diverse Maßnahmen und Systeme, die eine Überlastung der Übertragungsnetze verhindern sollen, darunter das Einspeisemanagement, der Redispatch sowie der Einsatz und das Vorhalten von Netzreserve.

BKartA und BNetzA teilten mit, dass die vorläufigen Gesamtkosten für Netzengpassmanagementmaßnahmen im Jahr 2020 auf rund 1,4 Milliarden  Euro gestiegen seien. Im Jahr 2019 lagen die Gesamtkosten für Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Systemsicherheit noch bei 1,28 Milliarden Euro.

„Der Monitoringbericht liefert viele Erkenntnisse, macht aber auch die großen Herausforderungen der Energiewende für die Energiewirtschaft und Energieverbraucher deutlich“, so Florian Huber, Experte für Energierecht bei Pinsent Masons.

Der Bericht enthält ebenfalls Zahlen zur Biogasproduktion in Deutschland sowie der Produktion von Wasserstoff: Den Angaben nach speisten im Jahr 2020 sieben Anlagen Wasserstoff und zwei Anlagen synthetisch erzeugtes Methan ein. Mit einer Energiemenge von 2,8 Millionen Kilowattstunden (kWh) Wasserstoff und 0,3 Millionen kWh synthetisch erzeugtem Methan machten diese Formen der Einspeisung im Jahr 2020 jedoch nur 0,031 Prozent der gesamt eingespeisten Biogasmenge aus.

„Neben diesen Anlagen gibt es eine ganze Reihe weiterer Anlagen, die allerdings das erzeugte Gas nicht in das Erdgasnetz einspeisen“, so der Bericht. „Die meisten dieser Anlagen sind Demonstrations- und Forschungsanlagen.

Das Energiemonitoring enthält auch eine Erhebung der von den Energieversorgungsunternehmen betriebenen, öffentlich zugänglichen Ladepunkte und der entsprechenden Ladepreise: Im Jahr 2020 wuchs der Bestand um 5.270 Ladeeinrichtungen und 10.521 Ladepunkte. Die Ladesäulenstatistik der BNetzA zählte am 1. November 2021 insgesamt 41.993 im Betrieb befindliche Normalladepunkte und 7.214 Schnellladepunkte – da neue Ladepunkte aber erst seit 2016 an die BNetzA gemeldet werden müssen, gehen Experten davon aus, dass es tatsächlich mehr Ladepunkte in Deutschland gibt.