Deutschland und Kanada unterzeichnen Wasserstoffabkommen

Out-Law News | 24 Aug 2022 | 2:56 pm | Lesedauer: 2 Min.

Deutschland will schon ab 2025 grünen Wasserstoff und Wasserstoffderivate aus Kanada importieren. Für den Aufbau der neuen Handelsbeziehung haben beide Staaten nun ein Abkommen unterzeichnet.

Gestern haben der kanadische Energieminister, Jonathan Wilkinson, und der Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, Robert Habeck, in Kanada ein Deutsch-Kanadisches Wasserstoffabkommen unterzeichnet. Minister Habeck erklärte, Ziel des Abkommens sei es, eine transatlantische Lieferkette für grünen Wasserstoff aufzubauen.

Beide Staaten wollen „das Wachstum des Marktes für Wasserstoff, insbesondere aus erneuerbaren Quellen, auch durch die Entwicklung stabiler Lieferketten“ beschleunigen, heißt es in dem Abkommen. Es sieht vor, dass Kanada mehr Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen produziert, um diesen dann nach Deutschland exportieren zu können. Deutschland hingegen sichert zu, „inländische Importeure und Nutzer von Wasserstoff und seinen Derivaten dabei zu unterstützen, einen internationalen Handelskorridor mit Kanada und anderen Partnerländern aufzubauen“. Eine transatlantische Lieferkette für Wasserstoff soll bereits deutlich vor 2030 entstehen, erste Lieferungen sollen schon 2025 erfolgen. Zudem soll eine Taskforce mit kanadischen und deutschen Industrievertretern eingerichtet werden, um Leuchtturmprojekte gemeinsam auf den Weg zu bringen.

Christian Luetkehaus

Christian Lütkehaus

Rechtsanwalt, Partner, Head of Construction and Engineering, Germany

Ein Wasserstoffabkommen mit einem verlässlichen Wirtschaftspartner wie Kanada ist ein Lichtblick, um den Herausforderungen der nächsten Jahre entschlossen und zuversichtlich zu begegnen.

Im Rahmen der deutsch-kanadischen Energiepartnerschaft arbeiten beide Länder bereits seit über einem Jahr im Bereich Wasserstoff zusammen. „Mit dem nun unterzeichneten Abkommen soll diese Kooperation weiter ausgebaut werden“, teilte Habecks Ministerium mit. Der kanadische Energieminister Jonathan Wilkinson sieht in Wasserstofftechnologien eine Möglichkeit, um Emissionen in Kanada zu senken und Kanada zudem zum Exporteur von sauberer Energie zu machen. Der grüne Wasserstoff soll in den Atlantik-Provinzen Neufundland und Labrador, Nova Scotia und New Brunswick erzeugt werden. Hauptsächlich soll hierbei Windkraft zum Einsatz kommen. Anschließend soll der Wasserstoff in Ammoniak umgewandelt und über den Atlantik nach Deutschland verschifft werden; nach seiner Ankunft in Deutschland würde das Ammoniak zurück in Wasserstoff umgewandelt werden.

Christian Lütkehaus von Pinsent Masons ist Spezialist für Anlagenbau, vor allem im erneuerbaren Energien Sektor. Er sieht in dem Abkommen einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg hin zu Deutschlands ambitionierten Klimazielen. „Es ist klar, dass gerade die deutsche Industrie, einer der Hauptabnehmer für grünen Wasserstoff, derzeit unter den Spannungen im globalen Energiemarkt leidet, gleichzeitig aber ihre Dekarbonisierung ambitioniert vorantreiben muss. Daher ist ein Wasserstoffabkommen mit einem verlässlichen Wirtschaftspartner wie Kanada ein Lichtblick, um diesen Herausforderungen der nächsten Jahre entschlossen und zuversichtlich zu begegnen.“

Der Einsatz von Wasserstoff soll dazu beitragen, die Energiewende in beiden Ländern voranzutreiben, denn beim Verbrennen erzeugt Wasserstoff nahezu keine Abgase. Allerdings sind große Mengen an Strom nötig, um Wasserstoff überhaupt herstellen und als Energieträger nutzen zu können. Bei grünem Wasserstoff stammt der verwendete Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen. Da Deutschland voraussichtlich nicht über genug Wind und Sonne verfügt, um seinen Bedarf an grünem Wasserstoff künftig durch eigene Produktion zu decken, ist die Bundesregierung auf der Suche nach Partnern, die über mehr Wind- und Sonne verfügen und daher größere Mengen an grünem Wasserstoff herstellen können. So hat Deutschland bereits mit einer Reihe von Staaten Vereinbarungen zum Aufbau von Wasserstoff-Kooperationen geschlossen, unter anderem mit Australien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Indien sowie einigen afrikanischen Ländern.