Im Rahmen der deutsch-kanadischen Energiepartnerschaft arbeiten beide Länder bereits seit über einem Jahr im Bereich Wasserstoff zusammen. „Mit dem nun unterzeichneten Abkommen soll diese Kooperation weiter ausgebaut werden“, teilte Habecks Ministerium mit. Der kanadische Energieminister Jonathan Wilkinson sieht in Wasserstofftechnologien eine Möglichkeit, um Emissionen in Kanada zu senken und Kanada zudem zum Exporteur von sauberer Energie zu machen. Der grüne Wasserstoff soll in den Atlantik-Provinzen Neufundland und Labrador, Nova Scotia und New Brunswick erzeugt werden. Hauptsächlich soll hierbei Windkraft zum Einsatz kommen. Anschließend soll der Wasserstoff in Ammoniak umgewandelt und über den Atlantik nach Deutschland verschifft werden; nach seiner Ankunft in Deutschland würde das Ammoniak zurück in Wasserstoff umgewandelt werden.
Christian Lütkehaus von Pinsent Masons ist Spezialist für Anlagenbau, vor allem im erneuerbaren Energien Sektor. Er sieht in dem Abkommen einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg hin zu Deutschlands ambitionierten Klimazielen. „Es ist klar, dass gerade die deutsche Industrie, einer der Hauptabnehmer für grünen Wasserstoff, derzeit unter den Spannungen im globalen Energiemarkt leidet, gleichzeitig aber ihre Dekarbonisierung ambitioniert vorantreiben muss. Daher ist ein Wasserstoffabkommen mit einem verlässlichen Wirtschaftspartner wie Kanada ein Lichtblick, um diesen Herausforderungen der nächsten Jahre entschlossen und zuversichtlich zu begegnen.“
Der Einsatz von Wasserstoff soll dazu beitragen, die Energiewende in beiden Ländern voranzutreiben, denn beim Verbrennen erzeugt Wasserstoff nahezu keine Abgase. Allerdings sind große Mengen an Strom nötig, um Wasserstoff überhaupt herstellen und als Energieträger nutzen zu können. Bei grünem Wasserstoff stammt der verwendete Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen. Da Deutschland voraussichtlich nicht über genug Wind und Sonne verfügt, um seinen Bedarf an grünem Wasserstoff künftig durch eigene Produktion zu decken, ist die Bundesregierung auf der Suche nach Partnern, die über mehr Wind- und Sonne verfügen und daher größere Mengen an grünem Wasserstoff herstellen können. So hat Deutschland bereits mit einer Reihe von Staaten Vereinbarungen zum Aufbau von Wasserstoff-Kooperationen geschlossen, unter anderem mit Australien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Indien sowie einigen afrikanischen Ländern.