Australien und Deutschland starten gemeinsame Wasserstoff-Initiative

Out-Law News | 18 Jun 2021 | 9:23 am | Lesedauer: 2 Min.

Australien und Deutschland wollen gemeinsam ihre Wasserstoffwirtschaft aufbauen und den Wasserstoffhandel stärken.

Beide Länder wollen zusammen in eine Reihe neuer Initiativen investieren, um ihre Wasserstoffindustrie aufzubauen, neue Möglichkeiten für Wirtschaft und Handel zu schaffen und gleichzeitig Emissionen zu reduzieren.

 

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek haben gemeinsam mit ihrem australischen Amtskollegen, Energieminister Angus Taylor, eine Absichtserklärung zur Gründung eines „Germany Australia Hydrogen Accord“ unterzeichnet.

„Diese Absichtserklärung ist ein weiteres positives Signal an deutsche Unternehmen, die insbesondere als Technologielieferanten für Wasserstoff-Projekte in Australien gefragt sind“, so Alice Boldis, Expertin für Großprojekte im Energiesektor bei Pinsent Masons, der Kanzlei hinter Out-Law.

Das Abkommen baut auf den jeweiligen Stärken der beiden Länder auf: Australien verfügt über genug Sonne, um mittels Solarenergie auf nachhaltige Weise Wasserstoff zu erzeugen, den es in andere Länder exportieren möchte. Deutschland verfügt über Expertise in der Wasserstofftechnologie und plant, in Zukunft erhebliche Mengen an Wasserstoff zu importieren. Mit der deutsch-australischen Kooperation soll es also möglich werden, Wasserstoff-Technologie aus Deutschland nach Australien und später dann nachhaltig erzeugten Wasserstoff aus Australien nach Deutschland zu importieren. So könnten laut Karliczek beispielsweise die Elektrolyseure, die Australien benötigen wird, um mithilfe von Solarenergie Wasserstoff zu produzieren, aus Deutschland stammen.

Karliczek kündigte an, ihr Ministerium wolle für die Kooperation über einen Zeitraum von drei Jahren bis zu 50 Millionen Euro bereitstellen. Das Geld soll in den H2-Inkubator HyGate für angewandte Forschung fließen. Ziel des Inkubators ist es, Wasserstofftechnologien zu entwickeln, zu verbessern und in realen Bedingungen zu testen. Auch Australien kündigte an, Gelder für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Zudem sind auch gemeinsame Projekte geplant, die die Wasserstoff-Produktion und den Wasserstoff-Handel fördern sollen: Altmaier kündigte an, mit deutsch-australischen ‚Hydrogen Hubs‘ solle die Produktion von Wasserstoff im industriellen Maßstab in Australien unter Einsatz deutscher Technologien vorangetrieben werden. Außerdem soll geprüft werden, ob eine Zusammenarbeit der beiden Länder auch im Rahmen des neuen deutschen Wasserstoff-Förderprogramms H2 Global möglich ist.

Taylor sagte, Australien verfüge über eine Mischung aller wichtigen Zutaten, die es braucht, um ein bedeutender globaler Akteur in einer florierenden globalen Wasserstoffindustrie zu sein: „reichlich Land- und Energieressourcen gepaart mit einer ausgezeichneten Erfolgsbilanz und einem Ruf als zuverlässiger Energiepartner.“

„Die Zusammenarbeit zwischen Australien und Deutschland wird nicht nur Möglichkeiten für den Wasserstoffhandel zwischen den Ländern eröffnen, sie hat auch das Potenzial, eine nachhaltigere Handelsbeziehung zu entwickeln, da grüne Produkte – beispielsweise Stahl, der mittels Strom aus erneuerbaren Energiequellen hergestellt wurde – in Australien produziert und nach Deutschland zur Projektentwicklung exportiert werden können und so zur Reduktion der globalen Kohlenstoffemissionen beitragen“, so George Varma, Energierechtsexperte bei Pinsent Masons.  „In Anbetracht der Herausforderungen, die der Transport von Wasserstoff derzeit mit sich bringt, könnte dies der notwendige Übergangsschritt sein, um die Nachfrage nach Wasserstoff zu steigern.  Die Zusammenarbeit zwischen Australien und Deutschland hat ein großes Potenzial und wird zweifellos beiden Ländern zugutekommen.“

Deutschland und Australien kooperieren bereits länger im Bereich Wasserstoff. Schon im Sommer letzten Jahres haben die beiden Regierungen angekündigt, im Rahmen einer Machbarkeitsstudie den Aufbau einer Wasserstoffversorgungskette zwischen den beiden Ländern zu untersuchen. Zudem haben das Australian Smart Energy Council und die Deutsche Energie-Agentur (Dena) bereits Anfang des Jahres eine Partnerschaft geschlossen, um ein Zertifizierungssystem für grünen Wasserstoff sowie andere klimaneutrale Kraftstoffe zu erarbeiten.