Corona-Krise könnte Konsolidierung im Krankenhaussektor beschleunigen

Out-Law News | 07 Jan 2021 | 3:49 pm | Lesedauer: 2 Min.

Die vom Krankenhaussektor erwarteten Zusagen für neue Liquiditätshilfen bleiben auch nach der jüngsten Bund-Länder-Konferenz aus. Die ohnehin schon angespannte Wirtschaftslage von Krankenhäusern wird durch die Corona-Krise zusätzlich verschärft, so ein Experte.

Die Corona-Krise bringt deutsche Krankenhäuser zunehmend in wirtschaftliche Bedrängnis. Das teilte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) mit, der Dachverband der Krankenhäuser in Deutschland: Die Belastung der Krankenhäuser durch die Versorgung von COVID-19-Patienten sowohl auf Normal- als auch auf Intensivstationen steigt seit Wochen. Die meist lukrativen Elektiv-Operationen – also Eingriffe, die planbar sind und keinen medizinischen Notfall darstellen – müssen abgesagt werden, um Betten für Corona-Patienten freizuhalten. Zudem benötigen COVID-19-Patienten oft eine intensivere Betreuung durch Pflegepersonal als andere Patienten, weswegen der Regelbetrieb heruntergefahren werden muss.

„Die negativen Auswirkungen der Covid-19 Pandemie dürften unseres Erachtens nach die M&A Tätigkeit im Krankenhaussektor beflügeln“, so Dr. Volker Balda, Experte für den Gesundheitssektor bei Pinsent Masons, der Kanzlei hinter Out-Law. „Getrieben wurde die Transaktionstätigkeit im Krankenhausbereich bislang im Wesentlichen durch die strukturellen Herausforderungen der Branche. Zu nennen sind hier insbesondere Stagnation der Fallzahlen, Fachkräftemangel, Personaluntergrenzen für das Pflegepersonal, Fixkostendegressionsabschlag und die zunehmende Auslagerung von Versorgungsleistungen aus dem stationären in den ambulanten Bereich. Die zusätzlichen Belastungen durch die Covid-19 Pandemie dürften trotz staatlicher Hilfen zu Schließungen und Insolvenzen, aber eben auch zu einem sich weiter verstärkendem Konsolidierungsdruck und damit zu erhöhter M&A-Aktivität im Sektor führen. Schwer vorherzusagen ist indes, wie diese Situation sich auf die Kaufpreisentwicklung auswirken wird.“

Schon im letzten Jahr vermeldete das Bundeskartellamt starke Bewegungen im Gesundheitssektor: Bis November 2020 entfielen 21 Fusionskontrollanmeldungen auf den Krankenhaus-Sektor, was die zunehmende Konsolidierung in diesem Bereich verdeutlicht. Zudem schrieb laut Angaben des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) bereits 2019 fast jede zweite deutsche Klinik rote Zahlen.

„Die Corona-Pandemie hat die Lage weiter verschärft. Weniger als ein Drittel der Häuser erwartet für 2020 ein positives Jahresergebnis. Nur noch 18 Prozent der Kliniken beurteilen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als gut“, so die DKG. Rund um den Jahreswechsel hatte die DKG daher davor gewarnt, dass „flächendeckend Kliniken bereits im ersten Quartal 2021 nicht mehr die Gehälter ihrer Mitarbeiter zahlen können“, wenn die Bundesregierung die Hilfen für Krankenhäuser nicht deutlich erhöht.

Anschließend hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) laut eines Berichts des Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zusätzliche Hilfen in Aussicht gestellt, um die Gehälter zu garantieren. Das Bundesgesundheitsministerium habe angekündigt, dass Bund und Länder Anfang Januar über weitere Maßnahmen beraten, so das RND.

Eine verbindliche Zusage der Politik für umfassende finanzielle Unterstützung blieb jedoch auch nach dem Bund-Länder-Treffen am Dienstag aus. Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG): „Wir unterstreichen die Notwendigkeit der Entscheidung von Bund und Ländern, durch eine weitergehende Kontaktminimierung das Infektionsgeschehen eindämmen zu wollen. Allerdings hatten die Krankenhäuser die Erwartung und Hoffnung, dass Bund und Länder klare Aussagen zu einer umfassenden Schutzschirmregelung für das Jahr 2021 machen.“

Die Lage der deutschen Krankenhäuser hat sich auch deswegen zum Jahreswechsel zusätzlich verschärft, da ihnen mit Beginn des neuen Jahres Ganzjahresbudgetabsicherung nicht mehr zur Verfügung steht, die für 2020 galt. Zudem laufen die bis Ende Januar geltenden Ausgleichsregelungen für Corona-bedingte Freihaltungen und Erlösausfälle aus.

„Ohnehin können aufgrund der restriktiven Kriterien für die Geltendmachung der Ausgleichszahlungen schon jetzt nur circa 25 Prozent der Krankenhäuser von den Ausgleichen profitieren. Viele Krankenhäuser, die von den Ausgleichen nicht erfasst sind, haben Corona-bedingte Erlösausfälle und Liquiditätsprobleme“, so Baum. Die für 2021 geltende Regelung beurteilen Experten als kompliziert, kleinteilig und unzureichend und fordern Liquiditätshilfen für alle Krankenhäuser.